Blutegeltherapie

Traditionelles Verfahren mit moderner medizinischer Anwendung

Die Hirudotherapie, auch Blutegeltherapie genannt, ist ein seit Jahrhunderten bekanntes medizinisches Verfahren. Dabei werden medizinische Blutegel gezielt an ausgewählten Körperstellen angesetzt.

Während des Saugvorgangs nehmen die Blutegel eine kleine Menge Blut auf und geben gleichzeitig verschiedene biologisch aktive Bestandteile ihres Speichels an das umliegende Gewebe ab.

Die Behandlung verbindet damit die lokale Blutentnahme mit den besonderen Eigenschaften des Blutegelspeichels.

Wirkprinzip

Wie funktioniert die Blutegeltherapie?

Der Speichel medizinischer Blutegel enthält zahlreiche biologisch aktive Substanzen. Zu den bekanntesten gehört Hirudin, das die Blutgerinnung beeinflusst. Während und nach der Behandlung wirken mehrere Vorgänge zusammen:

Lokale Blutentnahme

Während des Saugvorgangs nehmen die Blutegel eine kleine Menge Blut aus dem behandelten Bereich auf.

Einfluss auf die Blutgerinnung

Speichelbestandteile wie Hirudin beeinflussen die Blutgerinnung im behandelten Bereich.

Lokale Durchblutung

Die Durchblutung im behandelten Bereich wird lokal beeinflusst.

Typische Nachblutung

Nach dem Ablösen des Blutegels blutet die kleine Bissstelle typischerweise noch nach.

Gerade diese Kombination macht die Blutegeltherapie zu einem besonderen therapeutischen Verfahren.

Anwendungsbereiche

Wann kann eine Blutegeltherapie sinnvoll sein?

Die Hirudotherapie kann bei ausgewählten Beschwerden ergänzend eingesetzt werden. Ob sie im individuellen Fall sinnvoll ist, hängt vom Beschwerdebild, möglichen Begleiterkrankungen und dem persönlichen Befund ab.

Arthrose und Gelenkbeschwerden

Besonders untersucht ist die Blutegeltherapie bei schmerzhafter Kniearthrose. Klinische Studien zeigen Hinweise darauf, dass sich Schmerzen und Gelenkfunktion bei manchen Patientinnen und Patienten vorübergehend verbessern können.

Ausgewählte Beschwerden des Bewegungsapparates

Auch bei bestimmten lokal begrenzten oder chronischen Schmerzbeschwerden wurde die Blutegeltherapie klinisch untersucht. Dazu gehören beispielsweise:

  • chronischer Tennisellenbogen
  • chronische Kreuzschmerzen
  • ausgewählte lokal begrenzte Beschwerden des Bewegungsapparates

Die wissenschaftliche Datenlage ist in diesen Bereichen kleiner als bei der Kniearthrose. Daher wird besonders sorgfältig geprüft, ob eine Anwendung im individuellen Fall sinnvoll erscheint.

Lokale venöse Stauungszustände

Ein weiterer medizinischer Einsatzbereich der Blutegeltherapie sind bestimmte lokale venöse Stauungszustände.

Besonders etabliert ist diese Anwendung in der rekonstruktiven Medizin, beispielsweise wenn der venöse Blutabfluss eines Gewebebereiches nach einem operativen Eingriff beeinträchtigt ist. Die durch den Blutegel hervorgerufene lokale Blutentnahme und Nachblutung kann dabei zur Entlastung des gestauten Gewebes beitragen.

Weitere Einsatzmöglichkeiten

Hirudotherapie wird traditionell auch bei weiteren Beschwerden eingesetzt.

Deshalb erstellen wir bewusst keine pauschale Liste von Erkrankungen, die mit Blutegeln behandelt werden können. Entscheidend ist immer die individuelle ärztliche Beurteilung und die Frage, ob die Behandlung für das jeweilige Beschwerdebild medizinisch sinnvoll sein kann.

Ablauf

Wie läuft die Behandlung ab?

01. Ärztliches Gespräch

Vor der ersten Anwendung besprechen wir Ihre Beschwerden, bestehende Erkrankungen und Medikamente und prüfen, ob etwas gegen eine Blutegeltherapie spricht.

02. Individuelle Planung

Anschließend werden Anzahl und Position der Blutegel individuell festgelegt.

03. Die Behandlung

Die medizinischen Blutegel werden gezielt auf die Haut gesetzt und saugen sich dort selbstständig fest. Während der Behandlung nehmen sie Blut auf und geben gleichzeitig Bestandteile ihres Speichels an das umliegende Gewebe ab. Nach einiger Zeit lösen sich die Blutegel wieder beziehungsweise werden entsprechend dem Behandlungsverlauf entfernt.

04. Was passiert danach?

Nach dem Ablösen kann die kleine Bissstelle noch mehrere Stunden nachbluten. Diese Nachblutung ist ein typischer Bestandteil der Blutegeltherapie und wird anschließend mit einem geeigneten Verband versorgt.

Je nach Befund und Behandlungsziel kann eine einzelne Anwendung ausreichend sein oder es können weitere Sitzungen sinnvoll erscheinen. Anzahl und Abstand der Behandlungen werden individuell festgelegt.

Sicherheit

Ist die Behandlung für jeden geeignet?

Nein. Vor der Anwendung prüfen wir sorgfältig, ob die Blutegeltherapie für Sie geeignet ist.

Besondere Vorsicht bei

  • Blutgerinnungsstörungen
  • ausgeprägter Blutarmut
  • Einnahme bestimmter gerinnungshemmender Medikamente
  • erhöhtem Blutungsrisiko
  • bestimmten akuten Erkrankungen oder Infektionen

Weitere individuelle Faktoren werden im ärztlichen Gespräch berücksichtigt.

Welche Reaktionen können auftreten?

Nach der Behandlung können vorübergehend Rötung, Juckreiz, Schwellung, kleine Blutergüsse oder eine länger anhaltende Nachblutung auftreten.

Selten sind auch stärkere Blutungen, allergische Reaktionen oder Infektionen möglich.

Deshalb wird die Blutegeltherapie nach medizinischer Abklärung und unter entsprechenden hygienischen Voraussetzungen durchgeführt.

Unser Verständnis

Individuell statt pauschal

Die Hirudotherapie verstehen wir als ergänzende medizinische Behandlung, die gezielt und nach individueller Indikationsstellung eingesetzt wird.

Sie ersetzt keine notwendige medizinische Diagnostik oder Behandlung. Gleichzeitig kann sie bei geeigneten Beschwerden eine zusätzliche therapeutische Möglichkeit darstellen.

Ist die Blutegeltherapie für mich geeignet?

Ob eine Hirudotherapie bei Ihren Beschwerden sinnvoll sein kann, lässt sich am besten nach einer persönlichen ärztlichen Beurteilung entscheiden. Gerne besprechen wir mit Ihnen individuell, ob eine Blutegeltherapie für Ihre Situation infrage kommt.

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